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Es ist Dienst am
Gemeinwohl, übersteigt unsere Kräfte um vieles
den Pfahl der Dichtung in den Hintern der Zeit zu stoßen...
It would be
a service to the common weal - though far beyond our powers -
to ram the rod of poetry into the backside of our times...
Jurij Andruchowytsch
TRANSLOKAL
LITERATUR AUS EUROPÄISCHEN STÄDTEN
TRANSLOKAL LITERATURE FROM EUROPEAN CITIES
Birgit Pölzl / Markus Jaroschka
TRANSLOKAL
Der Begriff translokal ist örtlich
konnotiert, meint die Erkundung von Bereichen, die jenseits des Hier liegen,
meint die Bewegung von einem Ort zum anderen; meint unter der Prämisse
Europa das literarische Erkunden zeitgenössischer Literatur, wie
es seit fünf Jahren das literarische Projekt transLOKAL im Rahmen
von Graz 2003 Kulturhauptstadt Europas, schreibend tut. LiteratInnen
aus 25 europäischen Städten wurden eingeladen, Textbeiträge
für die Literaturzeitschrift Lichtungen zu schreiben. 35 AutorInnen
kamen nach Graz zu den Minoriten, um Schlaglichter auf ihre Lebensstädte
zu werfen, sie zu beschreiben, zu ironisieren, zu persiflieren, und immer
auch: sie zu erfinden. Die Reise begann in Krákow, machte in Pécs,
in Madrid, Tirana, Glasgow etc. halt und wird in Graz im Literaturfest
transLOKAL seinen Höhe- und Schlusspunkt finden. Ein Fest lang sollen
die widerstrebenden Kräfte einer Bewegung von Hier nach Dort ausgeglichen
sein, um Begegnung und das Kennenlernen von Graz als Kulturhauptstadt
zu ermöglichen. Das Programm ist literarisch, kulinarisch, künstlerisch
und musikalisch angelegt: Eine Ausstellung Grazer KünstlerInnen zum
Thema Grenze wird unter dem Titel KUNST/TRANS:Via Graz gezeigt,
die Literaturzeitschrift Lichtungen wird einen Graz-Schwerpunkt präsentieren,
in einem Lesungs-Reigen werden sich 27 transLOKAL-AutorInnen und ihre
Übersetzer literarisch vorstellen. Musikalisch wird die Formation
Deishovida eine Verbindung zu europäischen Traditionen
herstellen und sie mit Elementen aus Jazz, Funk und Minimal Music versetzen.Für
das Fest hat transLOKAL zwei literaturbesetzte Grazer Orte gewählt:
die Minoriten und das Literaturhaus Graz.
TRANSLOKAL
The concept of translokal ('beyond')
has spacial, geographical connotations: it is about finding out about
areas that lie beyond our everyday horizons; moving from one place to
another; exploring contemporary literarature within a European framework.
That is what our literary project called transLOKAL has been doing these
past three years, under the aegis of Graz: European Capital of Culture.
Writers from 25 European towns and cities were invited to write contributions
for 'Lichtungen', our literary magazine; 35 writers came to Graz, to read
their works (and / or have them read in translation), at the Minorites
Cultural Centre, so as to throw a powerful light on the cities of their
lives, to describe them with a critical eye, sometimes with irony, always
also to re-invent them. Setting out from Cracow, with stopovers in Pe´
cs, Madrid, Tirana, Glasgow and many other places, this journey will reach
a climax, and come to an end, at transLOKAL's Literature Fest, in Graz.
While this Fest is in progress, there is to be a fair balance between
those contrasting forces of movement from here to elsewhere, to facilitate
a better acquaintance witrh Graz as a cultural capital. The programme
offers literary, culinary, artistic and musical features: artists from
Graz will be showing works on the subject of borders entitled KUNST/TRANS:
Via Graz; 'Lichtungen', our literary magazine, will publish texts to do
with Graz; in a 'ronde' of literary readings, 27 transLOKAL authors and
their German language translators will introduce themselves. As regards
music, the group 'Deishovida' will establish ties with many European traditions
and mix in elements from jazz, funk and minimal music. For this Fest,
transLOKAL has chosen two Graz venues imbued with literature: the Minorites
Cultural Centre, and Literaturhaus Graz.
PROGRAMM / PROGRAMME
TRANSLOKAL
Freitag, 14. November 2003,
14.30 - 24.00 Uhr
KULTURZENTRUM BEI DEN MINORITEN
14.30 Uhr
Eröffnung / Opening: Birgit Pölzl / Markus Jaroschka / Manfred
Gaulhofer
14.45 Uhr
Vernissage / Opening of the exhibition: KUNST/TRANS: Via GRAZ, Kurator
/ Curator: Werner Fenz
15.30 Uhr
Vorstellung der 25. Städte-Ausgabe der LICHTUNGEN mit Literatur
aus Graz, Heinz Hartwig /
Presentation of the 25th issue of LICHTUNGEN devoted to European cities,
with Literature from Graz Kurzlesungen / Readings: Sonja Harter
/ Alfred Kolleritsch
16.00 - 16.30 Uhr Pause
/ Coffee break: Musik deishovida und Buffet
Lesungen / Readings
Großer Saal 1: 16.30
- 17.45 Uhr
Joy Markert, Berlin (*E.: Markus Jaroschka, Graz)
Kenka Lekovich, Triest (*Ü.: Primus-Heinz Kucher, Klagenfurt)
Branko Cegec, Zagreb (Ü.: Sead Muhamedagi ´ c, Zagreb)
Kleiner Saal 2: 16.30 - 17.45
Uhr
Krzysztof Koehler, Krakau (Ü.: Alois Woldan, Salzburg)
Liz Lochhead, Glasgow (Ü.: Dörte Eliass, Wien)
Sergej A. Nossow, St. Petersburg (Ü.: Alois Woldan, Salzburg)
17.45 - 18.15 Uhr Pause
/ Coffee break: Musik deishovida und Buffet
Großer Saal 1: 18.15
- 19.30 Uhr
Jurij Andruchowytsch, Lemberg (Ü.: Alois Woldan, Salzburg)
Beqë Cufaj, Prishtina (Ü.: Joachim Röhm, Stuttgart)
Hans Maarten van den Brink, Amsterdam (Ü.: Maria Elisabeth Weissenböck,
Wien)
Kleiner Saal 2: 18.15 - 19.30
Uhr
Laurent Mauvignier, Bordeaux (Ü.: Renate Nentwig, Wien)
Károly Méhes / Pécs (Ü.: Gerhardt Csejka, Frankfurt/Main)
Zoran Ancevski, Skopje (Ü.: Klaus Detlef Olof, Klagenfurt)
19.30 - 20.00 Uhr Pause
/ Coffee break: Musik deishovida und Buffet
Großer Saal 1: 20.00
- 21.30 Uhr
Jiri Kratochvil, Brünn (Ü.: Christa Rothmeier, Klosterneuburg)
Julio Llamazares, Madrid (Ü.: Georg Pichler, Madrid)
Hristo Zaprjanov, Plovdiv (Ü.: Alexander Sitzmann, Wien)
Petre Stoica, Temeswar (Ü.: Gerhardt Csejka, Frankfurt/Main)
Kleiner Saal 2: 20.00 - 21.30
Uhr
Goran Petrovi ´ c, Belgrad (Ü.: Klaus Detlef Olof, Klagenfurt)
Dzevad Karahasan, Sarajevo (E.: Klaus Detlef Olof, Klagenfurt)
Fatos Lubonja, Tirana (Ü.: Joachim Rohm, Stuttgart)
21.30 Uhr Fest: Musik deishovida
und Tanz - Buffet / open end
Samstag, 15. November 2003:
LITERATURHAUS GRAZ
10.00 - 10.30 Uhr
Brunch
10.30 Uhr
Eröffnung: Gerhard Melzer (LITERATURHAUS GRAZ)
10.30 Uhr
Herta Müller, Berlin/Temeswar (E.: Gerhardt Csejka, Frankfurt)
11.00 Uhr
Milan Richter, Bratislava (E.: Birgit Pölzl, Graz)
11.30 Uhr
Matthew Sweeney, Dublin (Ü.: Dörte Eliass, Wien)
12.00 Uhr
küçük Iskender, Istanbul (Ü.: Sara Heigl, Graz)
12.30 Uhr
Reet Kudu, Tallinn (Ü.: Irja Grönholm, Berlin)
13.00 Uhr
Drago Jancar, Ljubljana (Ü.: Fabjan Hafner, Klagenfurt)
13.30 Uhr
Buffet
*E.: Einführung / Introduction
*Ü.: Übersetzung / Translation
TRANSLOKAL - RAHMENPROGRAMM
/ OTHER ACTIVITIES
Donnerstag, 13. November 2003,
Thursday, November 13th, 2003: 19.00 Uhr / hrs
LITERATURHAUS GRAZ
Übersetzerwettbewerb mit
Türkisch-Studierenden am Institut für Translationswissenschaft,
Universität Graz, mit Texten von küçük Iskender,
Istanbul.
Translating competition with students of Turkish at the Department of
Translation Studies, Graz University: texts by küçük
Iskender (Istanbul).
Jury / Jury: Barbara Frischmuth (Alt Aussee), Herms Fritz (Graz), Helga
Glantschnig (Wien).
Leitung / Organiser: Jale Melzer-Tükel (Graz)
Freitag, 14. November 2003,
Friday, November 14th, 2003: 10.00 - 13.00 Uhr / hrs
Universität Graz - Wall Zentrum / University of Graz
Übersetzen: Zwischen Auftrag
und Aufgabe / Translating: a task, and a creative activity
Round-Table-Gespräch mit den literarischen Übersetzern des Projekts
transLOKAL
Panel discussion with transLOKAL´s literary translators
Moderation / Fabian Hafner (Klagenfurt)
Gerhardt Csejka (Frankfurt a.
M.), Dörte Eliass (Wien), Irja Grönholm (Berlin), Sara Heigl
(Graz), Volker Horn (Graz), Primus-Heinz Kucher (Klagenfurt), Jale Melzer-Tükel
(Graz), Sead Muhamedagic´ (Zagreb), Renate Nentwig (Wien), Klaus
Detlef Olof (Klagenfurt), Georg Pichler (Madrid), Joachim Röhm (Stuttgart),
Christa Rothmeier (Klosterneuburg), Alexander Sitzmann (Wien), Maria Elisabeth
Weissenböck (Wien), Alois Woldan (Salzburg).
Die Diskussion wird über
eine Video-Konferenz-Anlage an andere Universitäten übertragen.
Other universities will participate in this discussion through video facilities.
Veranstalter / Organiser:
Erich Prunc, Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft
Department for Translation Studies, University of Graz
Markus Jaroschka, Herausgeber der LICHTUNGEN Zeitschrift für
Literatur, Kunst und Zeitkritik.
Editor of LICHTUNGEN Periodical for Literature and the Arts
Thesenpapier zum Round-Table-Gespräch
mit den literarischen Übersetzern des Projektes transLOKAL
Fabjan Hafner (Moderator
des Übersetzertreffens)
Übersetzen zwischen
Auftrag und Aufgabe, zwischen Ich-Verzicht und Wir-Gewinn
5 Grund-Sätze. Ein klassisches Drama.
mhd. übersetzen
= übermäßig besetzen, überlasten; bedrängen.
1. Aufgabe: Die Möglichkeit
von Übersetzung behaupten gegen die Wirklichkeit der Nichtidentität
von Bezeichnetem und Bezeichnendem, die grundsätzliche Unüberbrückbarkeit
zwischen zwei Personen, selbst wenn diese (vorgeblich) dieselbe Sprache
sprechen. Also: Die Option Kommunikation postulieren.
2. Auftrag: Den Forderungen des
Tages und des schnöden Mammon begegnen im schwächsten Eck des
Boxrings, gebildet von Autor, Auftraggeber, Text und TranslatorIn, mit
erhöhtem Selbst-Bewußtsein.
3. Die Übersetzung stockt,
ihren Weg suchend, bahnend, verharrend auf halben Weg (halbwegs),
ist steckengeblieben, im Nirgendwo zwischen Sender und Empfänger.
4. Die/der ÜbersetzerIn gibt
sich selbst auf, wie einen Brief, versendet sich selbst als Spurenelement,
als tolerierter Schadstoffrest, als Kassiber. Wird zum Kanalschwimmer,
pendelnd zwischen den Ufern, dringt ein unter die Oberfläche der
Zeichen, wirbelt sich durcheinander und setzt sie wieder zusammen.
5. Die/der ÜbersetzerIn ist,
im Glücksfall, ein Katalysator, der sich in demselben Maß einbringt,
in dem er sich wieder aus dem Text herauszunehmen vermag. Um den Preis
der zeitweiligen Selbstaufgabe ergibt sich ein wiederholbares, erweiterbares
Einssein.

Foto: Robert Uranitsch
TRANSLOKAL - PROGRAMM / PROGRAMME
MUSIK / MUSIC
DEISHOVIDA
lassen mit ihrem neuen Programm
wieder einmal alle musikalischen Grenzen hinter sich und entziehen sich
wie gewohnt jeder Beschreibung.
Seit Jahren dafür bekannt, aus traditioneller Musik neue Klangskulpturen
zu schmieden,
ergeben sie sich nun ganz dem Sound und der Emotion.
Kurt
Bauer
Geige
Lothar Lässer
Akkordeon
Matthias Loibner
Drehleier
Phillip Pluhar
drums
Sas¡ enko Prolic´
bass
Sie setzen präzise Strukturen
zusammen, die in mitreißende Strudel oder gefühlvolles Geplätscher
münden.
Filmmusik für die ergreifendsten Szenen, die leider noch nicht gedreht
wurden.
Auch wenn die Beschäftigung mit bekannten Musikstilen hörbar
bleibt, ist der Zugang zur Musik erfrischend neu und frei.
Soundpiraten als Gestaltwandler
gleiten dort wie ein Schwarm durch Dunkel und Hell,
mal Rochen, mal Wal, je nach Temperatur, und spielen mit der Strömung,
stoßen elegant in lebendige Nester, zelebrieren das Gefundene als
Beute
und sind Gaudí-Kathedrale, Schatzkiste und Treffpunkt.
AUSTSELLUNGSERÖFFNUNG:
KUNST/TRANS: Via GRAZ
OPENING OF THE EXHIBITION: KUNST/TRANS: Via GRAZ

Klaus Schuster
KUNST/TRANS: Via GRAZ
Die Kunst setzt sich gegenüber
anderen gesellschaftlichen Systemen dem Transferprozess von Erfahrungen
in fremden Ländern, dem immer stärker in den Vordergrund rückenden
Spannungsfeld von lokal und international, von Zentrum und Peripherie
am radikalsten aus. Die Aufarbeitung und Kommunikation von Erlebnissen
und Ereignissen vollzieht sich in variablen Arbeitsfeldern, die inhaltliche
und visuelle Formatierung erfolgt bisweilen in scheinbar unangemessener
Form. Unangemessen, was einen so eng charakterisierten Begriff wie den
des Dokumentarischen betrifft oder auch den im Alltag für unauflösbar
geltenden und daher permanent perpetuierten Gegensatz zwischen dem Vertrauten
und dem Fremden, zwischen Nähe und Distanz, zwischen Mobilität
und Statik, zwischen wirklich und fiktiv. Reisen können also on
the road oder im Kopf stattfinden. Handelt es sich bei denen, die
sich von zu hause - wo liegt das eigentlich? über Jahre Briefe
mit Zeichnungen, Collagen, Textfragmenten ohne banale private News zuschicken,
um Realitätsverweigerer innerhalb der Business-Gesellschaft? Kann
man die Welt in das Wort Welt fassen: Wo kommt man dann hin? Vor allem,
wenn man gar nicht weg ist? Der Donau bis ans Schwarze Meer kann man auch
ohne 6-Gang-Menü und Gesellschaftsraum an Bord folgen und sich mit
Flaggen als Reisende zwischen Grenzen bemerkbar machen und in Indien nicht
nur geistige Kraft danken, sondern auch malerische Lohnarbeit vergeben.
Der Tennisplatz im Klosterhof konfrontiert zwei Welten miteinander: Wo
ist innen und wo außen? Das visuelle Tagebuch einer Nomadin bildet
den Gegenpol zur (zu) oft nicht akzeptierten, im künstlerischen Konzept
verifizierten Feststellung Graz spricht viele Sprachen.
KUNST/TRANS: Via GRAZ
Among the various social systems,
art is more radically open to the process of transferring experiences
to distant countries, in a highly charged field alternating between the
local and the international, between the centre and the periphery. Coming
to terms with experiences and events, and communicating them, takes place
in various areas of work; formating content and visual form sometimes
takes place in ways that appear to be 'inappropriate': but only if one
clings to the narrow concept of the documentary, or if one believes in
the timeless validity of contrasting concepts such as the familiar - the
foreign; closeness and distance; the mobile and the static; the real and
the fictitious. Journeys may indeed take place in one's head, not only
>on the road<. In our business-orientated society, can people be
thought to turn their back on the real world who have for many years exchanged
letters containing drawings, collages, fragments of text, all with no
banal, private news? Can the world be merely called world? Where will
it all end? Particularly if you've not even been away? You may follow
the Danube down to the Black Sea, yet do without a six course menu and
a lounge on board: there are other ways you can show your flag as a traveller
between borders; you may imbibe spiritual strength in India, and commission
paintings as piece work. A tennis court between convent walls shows two
worlds in confrontation. Where is inside, where outside? The visual diary
of a nomad woman is a counterpoint to the sentence "Graz speaks many
languages" - a statement that often (too often) goes unaccepted,
but that can be seen to be true in this artistic conception.

Erwin Talker
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Glue Schmidt
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Fedo
Ertl / Christian Marczik: INTRO-GRAZ-SPECTION
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W.A.S
Veronika Dreier / Doris Jauk-Hinz / Eva Ursprung
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cym
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Martin Gansberger / Bernhard Luthringshausen / Nina Wirnsberger
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cym
Geboren 1973 in Holland, lebt seit 2001 in Graz.
Zunächst Webdesignerin, später Nomadin in Europa, das sie mit
einem Schlafsack und einem Laptop durchquerte, um die Beziehung zwischen
virtueller Realität und realem Leben zu untersuchen.
Zahlreiche Workshops und Projekte im In- und Ausland.
Martin Gansberger / Bernhard
Luthringshausen / Nina Wirnsberger
Die Studierenden an der TU Graz machten in jüngster Zeit durch einige
innovative Projekte im öffentlichen Raum auf sich aufmerksam, darunter
die Installation Beschleunigen in der Pomeranzengasse.
Intro-Graz-Spection
Seit dem Gründungsjahr 1989 tritt die Intro-Graz-Spection alljährlich
mit mehreren interdisziplinären Projekten an die Öffentlichkeit,
wobei die Entwicklung ungewohnter, neuer Perspektiven und Erkenntnismöglichkeiten,
die Dezentralisierung von Präsentationsplätzen, die inhaltliche
Durchwanderung von peripheren Kunst- und Lebensräumen, sowie der
internationale Austausch wesentliche Anliegen sind. Diesmal sind Fedo
Ertl und Christian Marczik die Projektautoren.
Gue Schmidt
Geboren 1956 in Österreich, lebt in Wien.
Arbeiten im Bereich visuell-akustischer Medien. Neben etlichen Radioarbeiten
(wie für das ORF-Kunstradio) seit Beginn der 80er Jahre im Bereich
des elektronischen Raumes und der Installation tätig. Ausstellungsorganisationen
und Performances innerhalb und außerhalb Europas, so zum Beispiel
in Wien, Graz, Istanbul, Mexiko City, Schaffhausen, Caracas, Bogota, Berlin
und Weimar. OPENING OF THE EXHIBITION: KUNST/TRANS: Via GRAZ
Klaus Schuster
Geboren 1964 in Voitsberg, lebt in Wien und Graz.
Leiter der Meisterklasse für visuelle Medien an der HBLA Graz.
Arbeiten in den künstlerischen Bereichen Fotografie und Videokunst,
die er vorwiegend in Österreich präsentierte und für die
er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. In den letzten Jahren
spielte der virtuelle Raum in seinen Werken eine entscheidende Rolle.
Erwin Talker
Geboren 1956 in Voitsberg, lebt in Feldbach.
Leiter der Meisterklasse für Bildhauerei an der HTBLA Graz.
Bevorzugte künstlerische Medien sind Malerei, Bildhauerei, Fotografie
und Video.
Mehrfach Teilnahme an Malerwochen, Symposien für Skulptur und Künstlerbegegnungen.
Herausgeber von zahlreichen Reisebüchern. Widmet sich seit einigen
Jahren intensiv der Malerei, deren Ausführung er als Auftrag vergibt.
W.A.S.
Der Kunstverein W.A.S. hier vertreten durch Veronika Dreier, Doris
Jauk-Hinz und Eva Ursprung ist ein Zusammenschluss von Künstlerinnen
zur Realisierung interkultureller und interdisziplinärer Projekte
mit dem Ziel, ein dichtes physisches und virtuelles Netzwerk zu bilden
und damit die Position der Künstlerinnen zu stärken. Netzwerkartiges
kollektives Zusammenarbeiten bildet die Basis für die Arbeits- und
Experimentierplattform und entspringt einem immateriellen, sich vom klassischen
Werkcharakter abwendenden Kunstbegriff.
TRANSLOKAL - LITERATINNEN /
LITERATEN
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Zoran Ancevski
(Geboren 1954, lebt in Skopje)
"Lesen / Ich lese nicht mehr Bücher, / sondern Zeichen
allgemeiner und persönlicher Gefahr, / Parolen und Wahlplakate,
/ politische Weinkarten, / Sterne und Planeten auf vergoldeten Epauletten,
/ Namen auf verrosteten Gewehrkugeln..."
(Aus: LICHTUNGEN, Heft 94/2003)
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Jurij Andruchowytsch (L´viv/Lemberg)
(Geboren 1960 in Iwano-Frankiwsk/Westukraine, lebt dort)
... Es ist Dienst am Gemeinwohl, übersteigt unsere Kräfte
um vieles
den Pfahl der Dichtungen in den Hintern der Zeit zu stoßen,
unser Wappen zu pinseln auf geschwätzige Visagen von Debilen,
die Parteibonzen aufzuheitern, die Bürger und die KGB-Genossen.
Das Volk wird uns nicht vegessen ...
(Aus: LICHTUNGEN, 83/2000)
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Hans Maarten van den Brink
(Amsterdam)
(Geboren 1956 in Oegsteest, lebt in Amsterdam)
Der Fluß hat
mich gelehrt, was es bedeutet, sich zu bewegen,
und daß Bewegung Leben ist. Klingt das übertrieben? Vielleicht
ist es das auch.
Aber so empfinde ich es, so und nicht anders.
An jenem Tag an dem ich das Wasser zum erstenmal bewußt sah,
muß ich bereits etwas von seiner besonderen Macht gespürt
haben.
(Aus: LICHTUNGEN, 93/2003)
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Branko Cegec
(Zagreb)
(Geboren 1957 in Kraljev Vrh, lebt in Zagreb)
NACH
MITTERNACHT
wer berührt dich mit dem fuß unter dem nachbartisch wer
stellt fragen ohne antwort?
es ist nacht, die mitternacht ist unbemerkt vorbei
ike & tina turner dröhnen in lokaler ausführung...
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Beqë
Cufaj (Prishtina)
(Geboren 1970 in Deçan/Kosovo, lebt in Neuhausen/Stuttgart)
Auf
der einen Seite diskutierten wir nächtelang über Bücher
und träumten von Welten jenseits der engen Grenzen, in denen
wir lebten, und dann zogen wir wieder auf die Straße und protestierten
dagegen, dass wir aus Schul- und Universitätsgebäuden
vertrieben wurden...
(Aus: LICHTUNGEN, 86/2001)
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Sonja Harter
(Graz)
(Geboren 1983 in Graz, lebt dort)
nur
die namen / ändern sich / von zeit / zu stunde aus stillem
warten / wachsen zeiger die hüllen / werden andere / doch die
form / ist gegossen
(Aus: LICHTUNGEN, 97/2004)
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küçük Iskender (Istanbul)
(Geboren 1964 in Istanbul, lebt dort)
als sich dein gesicht in meinem gesicht
spiegelte dein gesicht in meinem stirnspiegel dein gesicht eine
lange schwermütige stirnschrift!
(Aus: LICHTUNGEN, 96/2003)
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Drago Jancar (Ljubljana)
(Geboren 1948 in Maribor, lebt in Ljubljana)
Und jetzt geht es mir tatsächlich
wie Kolumbus, plötzlich umgeben von lauter Land. Unmöglich
zu segeln, unmöglich weiterzufahren, ich bin unbeweglich. Jetzt
bin ich ein Seefahrer, der auf seinem Schiff von lauter Land umgeben
ist.
(Aus: LICHTUNGEN, 69/1997)¡
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Dzevad Karahasan (Sarajevo)
(Geboren 1953 in Duvno/Bosnien, lebt in Graz und Sarajevo)
Deshalb ist Sarajevo
zweifellos eine innere Stadt in eben der Bedeutung,
die die Esoteriker diesem Wort geben: alles, was in der Welt möglich
ist, existiert in Sarajevo, in verkleinerter Form zwar, reduziert
auf seinen Kern, aber es existiert, weil Sarajevo das Innenzentrum
der Welt ist (das Außen ist immer und vollständig im
Innen enthalten ...
(Aus: LICHTUNGEN, 77/1999)¡
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Krzysztof
Koehler (Krakau)
(Geboren 1963 in Tschenstochau, lebt in Krakau)
Die
Zeit schwirrt herum hier wie ein Käfer im Gras, wie die Flügel
der Hummel, und genau diese Flügel wie auch die Hummel pelzig
getaucht in den Kelch der Blüte sind wirklich.
(Aus: LICHTUNGEN, 83/2000)
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Alfred Kolleritsch
(Graz)
(Geboren 1931 in Brunnsee, lebt in Graz)
SCHÖNHEIT
langsame paralyse europas manchmal / wenn das wort am altar ist
/ schneuzt sich die zeit / und siehe da / das volk hat seine sänger
man nennt sie / ewigkeit in der stunde retter der milz / und montiert
sie ins soldbuch / der geläuterten jugend / zäh wie flink
wie / hart wie / der bizeps aller imperative ...
(Aus: LICHTUNGEN, 84/2000)
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Jiri Kratochvil
(Brünn)
(Geboren 1940 in Brünn, lebt dort)
Und,
lieber Janek, von Anfang an hat die Absicht dahinter gesteckt, in
diesem unseren Jahrhundert eine sorgfältige Selektion vorzunehmen,
eine gründliche Auswahl, und alle Abweichenden, Andersartigen
und Unangepaßten loszuwerden, alle, die unser Spiel nicht
mitspielen wollten.
(Aus: LICHTUNGEN, 97/2001)
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Reet Kudu (Tallinn)
(Geboren 1949 in Tartu, lebt in Tallinn)
Lebendig begraben dachte
der Komponist Ralm verzweifelt, und es erschien ihm das Badezimmer
wie eine drückend heiße Grabkammer. Er wanderte nackt
von Zimmer zu Zimmer, und es wurde ihm nicht kalt trotz der
offenen Balkontür, durch die kühle Herbstluft strömte.
Weggehen ... wohin?
(Aus: LICHTUNGEN, 95/2003)
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Kenka Lekovich (Triest)
(Geboren 1962 in Fiume/Rijeka, lebt in Triest)
Und Sie verstehen mich nicht! fing
B. sich zu erhitzen an. Ich habe Ihnen bereits gesagt, ich benötige
das Kroatische. Ich muß Kroatisch lernen. Ich muß unbedingt
Kroatisch sprechen können.
Für mich ist es eine Frage von Tod oder Leben!
(Aus: LICHTUNGEN, 76/1998)
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Julio Llamazares (Madrid)
(Geboren 1955 in Vegamián/Spanien, lebt in Madrid)
An dem Tag, an dem
sie in seinem Heimatdorf die Urgroßmutter aus der Erde holten,
fasste der Lyriker Toñio Llamas den Beschluss, in die Gattung
des Romans überzuwechseln, nachdem er sich zeitlebens der Pflege
der Dichtkunst anheim gegeben hatte.
(Aus: LICHTUNGEN, 85/2002)
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Liz Lochhead
(Glasgow)
(Geboren 1947 in Motherwell, lebt in Glasgow)
...
Wir zwei eines Sonntags / im Museum
fragten uns, warum ein Stück sich dort befindet, nur weil es
einem berühmten Mann gehörte / und ich habe Angst
/ dir mitzuteilen wie ich manchmal deine Kaffeetasse tagelang nicht
abwusch oder die Bücher nicht berührte ...
(Aus: LICHTUNGEN, 90/2002)
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Fatos Lubonja
(Tirana)
(Geboren 1951 in Tirana, lebt dort)
In der
Schlafbaracke kletterte er hinauf in die dritte Bettetage, fing
an zu zucken und die Augen zu verdrehen, und dann hielt er seine
berühmte Rede auf Deutsch.
Ich weiß nicht, weshalb es ihm gerade diese Sprache so angetan
hatte.
Wahrscheinlich wollte er beweisen, was für ein harter Bursche
er war...
(Aus: LICHTUNGEN, 86/2001)
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Joy Markert
(Berlin)
(Geboren 1942 in Tuttlingen, lebt in Berlin)
Die
Katze hilft dem Flieder Wasser trinken.
Ich habe Geräusche gehört, Stimmen, ich habe gehört,
nicht gehorcht.
Dann gewöhnte ich mich daran, zuhören zu müssen.
Gewöhnte mich und vergaß es. Schließlich fing ich
gar an zu horchen, hinauszuhorchen...
(Aus: LICHTUNGEN, 89/2002)
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Laurent Mauvignier (Bordeaux)
(Geboren 1967 in Tours, lebt in Bordeaux)
Die Worte in meinem Mund kommen von
nirgends her. Sie entstehen auf der Zunge und entschlüpfen
sofort, und im Raum zwischen uns drei stehen diese Sätze, zu
denen ich schweige, weil diese Sätze nicht reden und nie etwas
von dem sagen, was heraus möchte. Ist aber trotzdem gut, daß
es sie gibt, diese Antworten, diese Gespräche, sie sind wie
Wein...
(Aus: LICHTUNGEN, 88/2001)
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Károly Méhes (Pécs)
(Geboren 1965 in Pécs, lebt dort)
Jeder wollte da wegfliegen. Aber eher
nur kurz. Nicht für immer, um Himmels Willen. Weil dann statt
der Glocken die leeren Korridore schallen würden. Jeder denkt,
ohne ihn würde die Welt zu schallen beginnen.
Der kindgroße Junge tauchte an einem frühen Herbsttag
auf, schmächtig und mit kränklichem Gesicht...
(Aus: LICHTUNGEN, 80/1999)
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Herta
Müller (Temeswar/Berlin)
(Geboren 1953 in Nitzkydorf/Rumänien, lebt in Berlin)
Gegen
Abend fängt die Verpelzung an der Hausmeister hat Licht Mit
hellem Bauch und dunklem Schnabel liegt seine Katze auf dem Tisch
wie eine umgestoßene Teekanne
Bei der Amsel ist es anders ...
(Aus: LICHTUNGEN, 81/2000)
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Sergej A.
Nossow (St. Petersburg)
(Geboren 1957 in Leningrad, lebt in St. Petersburg)
Doch
wenn die kurze Phase der Erleuchtung endet, wird das Unvermögen,
sie zu vergegenwärtigen, unwillkürlich zu einer Qualität
deines unvollkommenen, auch wenn jeder sich auf den Kater ausreden
möchte.
Letzterer nicht die aufwendige Mühe des schöpferischen
Prozesses...
(Aus: LICHTUNGEN, 84/2000)
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Goran Petrovi
´ c (Belgrad)
(Geboren 1961 in Kraljevo, lebt dort)
Im Nebenzimmer,
eigentlich ein Atelier, malten wir schweigend und verliehen so dem
Geruch von Farbe und Terpentin eine Aura des Feierlichen.
Rundum Stille, in uns erbebte es, wir warteten auf den Augenblick
der Enthüllung.
(Aus: LICHTUNGEN, 92/2002)
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Milan Richter
(Bratislava)
(Geboren 1948 in Bratislava, lebt dort)
Der
Vater hatte schon alles Schlechte hinter sich, als er an jenem Abend
/ aus der löchrigen Tasche seines Mantels zwei Schokoladentafeln
nahm / und mir und der Schwester übers Haar strich.
Er wollte vielleicht sagen, ihr werdet es leichter haben / ihr werdet
freier atmen ...
Er hatte keine Kraft mehr ...
(Aus: LICHTUNGEN, 74/1998)
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Petre Stoica (Temeswar)
(Geboren 1931 in Peciul Nou im Banat, lebt in Temeswar)
Jeder lebt sein Ritual abends das Blumengießen
das Zeitunglesen das Niesen und ähnliche Sachen ich setz abends
die Brille ab und putze das Glas befallen von Mikroben und Bildern
der Trauer
(Aus: LICHTUNGEN, 81/2000)
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Matthew Sweeney (Dublin)
(Geboren 1952 in Donegal/Irland, lebt in London)
... Zurück zu der Zeit, als er
sich gefroren im Gefrierschrank befand.
Mit Lammschnitzeln, Gehacktem und Garnelen.
Er verbrachte dort drei Monate lang.
Das gefiel ihm aber nicht.
Er schloß die Augen und träumte zurück...
(Aus: LICHTUNGEN, 86/2001)
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Hristo Zaprjanov (Plovdiv)
(Geboren 1964 in Plovdiv, lebt in Asenovgrad/Bulgarien)
Die Nacht vergeht.
Zusammen mit ihr verschwinden auch die Frösche.
Sie entweichen wie nächtliche Reisende, die keine Erinnerung
hinterlassen, sondern nur eine diffuse Melancholie, welche einen
ohne Grund erfüllt...
(Aus: LICHTUNGEN, 91/2002)
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POETIK DER GRENZE / POETICS
ACROSS BORDERLINES
POETIK DER GRENZE
Über die Grenzen sprechen
Literarische Brücken für Europa
Grenze ist so allgegenwärtig
wie Materie oder Energie. Denn in der Grenze, durch die Grenze, wird eine
Identität vollendet. Die Grenze gehört noch immer dieser Identität,
und dennoch ist sie schon etwas gänzlich anderes, denn sie wird auch
durch eine andere Identität konstituiert, die an der Grenze beginnt.
Die Grenze ist Grundlage der Identität, denn gerade sie gibt Form
und Gestalt und gerade hier überwindet eine Identität stumpfes
Mit-sich-selbst-gleich-Sein und öffnet sich etwas völlig anderem,
nämlich jener anderen Identität, aus der die Grenze (auch) besteht.
Im dialogischen Wesen der Grenze erkennt das Ich allein eine,
und zwar die eigene Seite; den anderen Teil der Grenze, die
andere Identität, kann das Ich nicht erkennen, es muss
diesen erfahren.
Wie kaum eine andere Stadt ist Graz von der Grenze geprägt worden.
Sie lag an der Grenze zum Osmanischen Reich, liegt an der Grenze, an der
drei Ethnien aufeinander treffen, 50 Jahre lang lag der Eiserne Vorhang
in nächster Nähe. Mit dem Nachbarn bzw. dem Anderen
sprach man in der Grazer Geschichte meist über den Vorhang hinweg
- egal, ob dieser durch seinen Glauben, seine Ethnie oder durch das politische
System der Andere war bzw. zu diesem wurde. Hat man durch
dieses Sprechen erlernt, aus der Grenze eine Begegnungsstätte zu
machen? Allerdings! Die Grenze in Graz ist heute ein Begegnungsort, und
zwar nach langen Jahrhunderten, in denen sie als Konfrontationsstätte
und Anlass zum Streit fungierte.
POETICS ACROSS BORDERLINES
Speaking of borders: literary bridges
for Europe
Like matter, like energy, limits
and borders are everywhere: for it is within limits, by means of a borderline,
that identity is achieved. Limits, limitations are part of an identity,
yet they are a quite different thing, for identity is constituted by another
identity that begins at its borders. Borders are the basis of identity:
they give form, 'Gestalt', and this is where identity overcomes a dumb
"I'm identical with myself" definition and opens up towards
someone or something different - i. e., that other identity which is part
of borders and borderlines, among other things. Limits, borders, in their
dialogic ways, can be perceived by the self from one side only - its own:
while beyond the border, on the other side, the other identity cannot
be perceived, it needs to be experienced.
More than most cities, Graz has been marked by borders. It was part of
the border towards the Ottoman Empire; it is part of the border between
three ethnic groups; for half a century, the Iron Curtain was very close
indeed. In the city's past, talking to neighbours or to 'others' often
meant talking through or across a curtain - no matter whether those others
were defined by faith, ethnic make-up, or a political system. By means
of such cross-border talk, have people here learnt to create a place for
encounters, instead of borders? Indeed they have: today, after many a
century when borders were places of confrontation and strife, Graz and
the borders that run through it have turned into a meeting-place.
Samstag, 15. November 2003,
17.00 - 22.00 Uhr
Saturday, November 15th, 2003, 17.00 - 22.00 hrs
KULTURZENTRUM BEI DEN MINORITEN
17.00 Uhr Eröffnung /
Opening
Festrede von / Opening speech by:
Milo Dor (Wien): Über Grenzen reden / Talking about
borders
17.45 Uhr Lesungen / Readings
Herta Müller (Berlin/Timisoara)
Dzevad Karahasan (Graz/Sarajevo)
18.30 Uhr
Ausstellung: KUNST/TRANS: Via GRAZ,
Exhibition: KUNST/TRANS: Via GRAZ
Kurator / Curator: Werner Fenz, Graz
19.00 Uhr Buffet / buffet
20.00 Uhr Über Grenzen
sprechen / Speaking of borderlines
Einführung / Introduction: Dzevad Karahasan
Gespräch / Discussion
Peter von Becker (Berlin)
Frank Berberich (Berlin)
Hans Maarten van den Brink (Amsterdam)
Ilma Rakusa (Zürich)
SAID (München/Teheran)
Das Projekt Poetik der Grenze
wurde von 1998 - 2003 durch das Kulturamt der Stadt Graz finanziert.
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Peter von
Becker / Journalist und Autor
(Geboren 1947 in Mannheim, lebt in Berlin)
...
Glühend war dieser Tag, eine Nachgeburt des verwünschten
Sommers. Erträglich nur hinter den dicken Mauern. Ich habe
jetzt nachgedacht. Er will mein Lebenswerk.
Wie aber rettet das Werk mein Leben?
(Aus: Poetik der Grenze, LICHTUNGEN, 94/2003)
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Frank Berberich
/ Publizist und Herausgeber von Lettre International
(Geboren 1949 in Wiesbaden, lebt in Berlin)
Die
Verzweiflung setzt Menschen in Bewegung und ihre Schwäche und
ihre Demütigung lenkt ihre Hoffnung auf ein anderes Land. Das
Land der Hoffnung, das erreicht werden muß über Gletscher
und Meere, Gebirge und Mauern verborgen und im Schutz des nächtlichen
Dunkels.
Jenseits liegt das gelobte Land, ein Ort der Erlösung, ein
Ort der Rettung, die bessere Zukunft.
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Hans Maarten
van den Brink / Autor
(Geboren 1956 in Oegsteest, lebt in Amsterdam)
Der
Fluß hat mich gelehrt, was es bedeutet, sich zu bewegen, und
daß Bewegung Leben ist. Klingt das übertrieben? Vielleicht
ist es das auch.
Aber so empfinde ich es, so und nicht anders.
An jenem Tag an dem ich das Wasser zum erstenmal bewußt sah,
muß ich bereits etwas von seiner besonderen Macht gespürt
haben.
(Aus: LICHTUNGEN, 93/2003)
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Milo Dor / Autor
(Geboren 1923 in Budapest, lebt in Wien)
Die Kunst ist in unserer Zeit die letzte
Quelle der Freiheit.
An dem Grad ihrer Unterdrückung, ihrer Verharmlosung oder Verspottung
kann man deutlich ablesen, wie die Machthaber in verschiedenen Ländern
zur Freiheit überhaupt stehen.
(Aus: Grenzüberschreitungen, Picus Verlag, Wien
2003)
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Dzevad Karahasan / Autor und Universitätsprofessor
Geboren 1953 in Duvno/Bosnien, lebt in Graz und Sarajevo)
Das Wunder der Grenzheit.
Ein Wunder ist, so lehren uns mittelalterliche europäische
Weise, ein Grenzphänomen Offenbarung einer höheren
Form der Existenz in der niederen, sagen wir, das Abblättern
des Steins oder das Sprechen des Falken. Vielleicht ist das Wunder
der Grenze eine der möglichen Erklärungen für das
Wunder Europa?
(Aus: LICHTUNGEN, 75/1998)
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Herta Müller / Autorin
(Geboren 1953 in Nitzkydorf/Rumänien, lebt in Berlin)
Wir konnten unsere
Misere in Sachbüchern sachlich formuliert, genau analysiert,
nüchtern kommentiert nachlesen. Wir konnten diese Misere in
Gedichten und Romanen wiederfinden in der Dringlichkeit des poetischen
Bildes. Beide Lesarten gaben Halt, indem sie einem den eigenen Zustand
bestätigten.
Sie halfen einem, nicht stumm vor sich selber zu sein.
(Aus: Poetik der Grenze, LICHTUNGEN, 90/2002)
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Ilma Rakusa
/ Autorin und Universitätslehrerin
(Geboren 1946 in Rimavská Sobota/Slowakei, lebt in Zürich)
Alles
läuft auf die Frage hinaus, wo das Eigene aufhört und
das Fremde beginnt. Schnell gerät man ins Räderwerk der
Dialektik, definitorischer Setzungen. Die Antwort bewegt sich zwischen
fließender Grenze und Stacheldrahtzäunen, auf häufig
vermintem Gelände ...
(Aus: Poetik der Grenze, LICHTUNGEN, 92/2002)
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SAID / Autor
(Geboren 1947 in Teheran, lebt in München)
...
denn jede sprache hat eine eigene luft; um zwei zu atmen, braucht
man zwei lungen, zwei herzen. ich weiß auch nicht, ob die
flüsse miteinander kommunizieren; jedenfalls wird mir nichts
davon erzählt
bis heute nicht.
(Aus: Zwischenland Sprache, LICHTUNGEN, 75/1998)
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