Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik

Hefte 2007

LICHTUNGEN - 112/XXVIII. Jg./2007

Schwerpunkt:
Neue Literatur aus Polen

Kunstteil:
Aneta Grzeszykowska

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LICHTUNGEN, Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik
112 / XXVIII. Jg. / 2007, ISSN 1012-4705

Umschlag & Kunstteil:
Aneta Grzeszykowska, Untitled, 2006

INHALT

LITERATUR
Saša STANIŠIC
Manuel winkt ab und läuft eine These Probe
Lilly JÄCKL
wenn die scheiterhaufen brennen an der achse des bösen
Martin HAGEMEIER
Das dreiundzwanzigste Stockwerk
Myriam KEIL
Gedichte
Ulrike KOTZINA
Unterirdisch
Annette AMRHEIN
Jahrgang Siebenundsechzig
Leopold FEDERMAIR
Die Wortmaschine

NEUE NAMEN
Astrid KOHLMEIER
Gedichte
Reinhard LECHNER
Gedichte

SCHWERPUNKT „NEUE LITERATUR AUS POLEN“
Walter Maria STOJAN
Junge Literatur aus Polen

LYRIK
Tadeusz DABROWSKI
Gedichte
Zofia CZYCZA
Gedichte
Tomasz PULKA
Gedichte
Konrad CIOK
Gedichte
Adam GRZELEC
Gedichte
Julia SZYCHOWIAK
Gedichte

PROSA
Janusz ANDERMAN
Die ganze Zeit
Inga IWASIÓW
Der Schwarze von der französischen Botschaft
Eustachy RYLSKI
Die Bedingung
Wlodzimierz KOWALEWSKI
Die Exzentriker
Krzysztof VARGA
Ein Grabstein aus Terrazzo

POLEN: EINE BETRACHTUNG
Radek KNAPP
Der Rettungsanker von Pan Samochodzik

KUNST
Werner FENZ
Schau mir (genau) in die Augen, Kleines!
Aneta GRZESZYKOWSKA
Untitled, 2006

ZEITKRITIK / ESSAY
Egyd GSTÄTTNER
Robert Musil bleibt daheim
Marietta BÖNING
Einstellung auf Niederschläge

ZU DEN AUTORiNNEN

NEUE LITERATUR AUS POLEN
Einleitung
Walter Maria STOJAN

Polen ist das Land, welches im 18. Jahrhundert dreigeteilt wurde, von der europäischen Landkarte verschwand, um 1918 wieder aufzuerstehen, am 01.09.1939 von Hitlerdeutschland überfallen wurde, damit das Datum für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs festlegt, im Warschauer Ghettoaufstand (1943) und im Warschauer Aufstand (1944) den Nazischergen die Stirn bot, nach 1945 mit seinen Grenzen nach Westen verschoben wurde und durch den Elektriker Lech Walesa mit der Solidarnosc zum Kurzschluss im System des Ostblocks 1989 führte.
Polen gehört zu den katholischsten Ländern Europas, was durch den „polnischen“ Papst, Johannes Paul II, (1978 – 2005), noch sichtbarer wurde.
Seit 2004 ist Polen, mit seinen 40 Millionen Einwohnern, Mitglied der Europäischen Union.
Und was hat das alles mit der jungen Literatur aus Polen zu tun? Nichts. Und viel. Weil vor diesem Hintergrund leben wir alle in Polen, die Polinnen, die Polen und die Zugezogenen. Wir werden täglich daran erinnert und können nur so verstehen, was sich in diesem wunderschönen Land abspielt.
Die „Lichtungen“ bauen seit Jahren literarische Brücken eben dieses Verständnisses für andere, nicht deutschsprachige Kulturen. Die junge Literatur aus Polen baut ihr Verständnis vor diesem historischen Bühnenbild und dabei auf eine Literaturtradition, die immerhin vier polnischsprachige und zwei jüdischsprachige Literaturnobelpreisträger mit polnischen Wurzeln hervorgebracht hat (Sienkiewicz, 1905, Reymont, 1924, Schmuel Agnon, 1966, Isaac Bashevis Singer, 1978, Milosz, 1980, Szymborska, 1996).
Spätestens seit dem Auftritt Polens als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse im Jahr 2000 findet auch die polnische Gegenwartsliteratur regelmäßig ihren Weg in deutschsprachige Übersetzungen. Werke von Gombrowicz, Grynberg, Mrozek, Herbert, Szczypiorski führen zu der Literatur von Olga Tokarczuk, Pawel Huelle, Stefan Chwin, Andrzej Stasiuk, Dorota Maslowska, die seit 1989 die polnische Literaturszene mitgestalten. Bestsellerstatus im deutschsprachigen Raum haben die Reiseberichte von Ryszard Kapuscinski, der am häufigsten übersetzte Autor Polens, und die Phantasieromane von Stanislaw Lem.
Die junge Literatur aus Polen schöpft also aus einem reichen und vielschichtigen Schatz, wobei der Lyrik und dem Theater eine besondere Bedeutung zu kommen. Die nachstehende Auswahl wollte einen ganz frischen Zugang zur polnischen Gegenwartsliteratur finden und hat daher Autorinnen und Autoren gesucht, die entweder noch nie ins Deutsche übersetzt wurden, wie die vorgestellten Lyrikerinnen und Lyriker, oder dem deutschsprachigen Publikum bis dato verborgen geblieben sind, obwohl sie zu den führenden Stimmen ihrer Generation gehören. Allen ist gemeinsam, dass sie die Diskussionen zu den Gegenwartsströmungen mitgestalten, sei es im Bereich der engagierten Frauenliteratur wie bei Inga Iwasiów, der erzählenden Prosa wie bei Eustachy Rylski oder der neuen Lyrik wie bei Tadeusz Dabrowski.
Bei der Lyrik werden im übrigen ganz junge Stimmen vorgestellt, die ihre Prägung erst nach der Wende von 1989 erfahren haben. Der Turbokapitalismus, die tief greifenden gesellschaftlichen Veränderungen, die neuen Ziele der heranwachsenden Generation werden darin sichtbar.
Polen gehört ohne Zweifel zu einer der führenden Literaturnationen in Europa. Auch wenn wir uns im Zuge der Europäischen Integration bemühen, die Gemeinsamkeiten stärker zu betonen, dürfen wir die nationalen Identitäten nicht ignorieren. Diese Identitäten werden in einem besonderen Maße durch die Sprache transportiert. Um daher in die Identität eines großen europäischen Staates und seiner Bevölkerung kulturell einzudringen, ist das Verständnis ihrer Geschichte und ihrer Literaturen unabdingbar. Diese Aufgabe wird von den „Lichtungen“ stetig wahrgenommen. Damit wird wieder ein weißer Fleck in unserem Bewusstsein mit der deutschsprachigen Übersetzung der jungen Literatur aus Polen gefüllt.


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