Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik

Hefte 2006

LICHTUNGEN - 106/XXVII. Jg./2006

Schwerpunkt:
Junge Lyrik aus den USA

Kunstteil:
Julian Schutting / Bernd Wolff

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LICHTUNGEN, Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik
106 / XXVII. Jg. / 2006, ISSN 1012-4705

Umschlag & Kunstteil:
Julian Schutting / Bernd Wolff. An und in Kuba, 2006

INHALT  

 
LITERATUR
 
Birgit PÖLZL
Gesichte. Roman in Fragmenten (Auszug)
3
Eeva TIKKA
Durst nach Feuer (Novelle) 10
10
Cay MARCHAL
Bleu de Nîle (Erzählung)
16
Max GAD
Zu den Vätern
(aus: Schreiten durch Scheitern)
20
Rumiana EBERT
Ovale (Erzählung)
22
Alexander DUNST
welcher tag beginnt im westen (Gedichte)
28
Birgit VAN DER LEEDEN
Und die Spatzen schweigen auf den Dächern (Erzählung)
30
Maimu BERG
Leben vor dem Sex (Erzählung)
33
Eva HOLZMAIR
Tschüß: Dein Vater (Erzählung)
38
 
 
NEU VORGESTELLT
 
Simone SCHÖNETT
„eng, eigentlich...“ (Prosa)
46
Alexander MICHEUZ
Herr Sturz (Erzählung)
49
Stefan KESSLER
Eine Sekunde (Prosa, Auszug)
53
 
 
JUNGE LITERATUR AUS WIEN
 
Semier INSAYIF
 
Vorwort
60
Ann COTTEN
 
Ich wollte Thomas Bernhard besuchen, keuchte
61
Zwetelina DAMJANOVA
 
Gedichte
65
Elisabeth KLAR  
Ei im Gesicht (Prosa)
68
Anna SCHUSTER
 
Gottesanbeterin (Prosa. Auszug)
71
 
 
JUNGE LYRIK AUS DEN USA  
Ron WINKLER
Vorwort
56
Craig ARNOLD
57
Timothy DONNELLY
62
Denise DUHAMEL
65
Christopher EDGAR
67
Christian HAWKEY
69
Christine HUME
72
Sarah MANGUSO
74
Jeffrey McDANIEL
76
Spencer SHORT
78
Eleni SIKELIANOS
80
Juliana SPAHR
84
Kevin YOUNG
88
Andrea SCOTT
post-language poetry. Neue Räume in der
zeitgenössischen amerikanischen Lyrik
91
   
LITERATUR / BILDENDE KUNST
 
Werner FENZ
 
Entwurf eines Bild/Text-Diskurses
Am Beispiel von J. Schutting und B. Wolff
104
Julian SCHUTTING / Bernhard WOLFF
 
An und in Kuba 2006
105
 
 
ZEITKRITIK / ESSAY
 
Richard WALL
 
Erinnerungen an einen Unbequemen.
Zu Michael Guttenbrunner
109
 
 
ZU DEN AUTORiNNEN
114

 

Junge Lyrik aus den USA
Ron WINKLERF

Es gilt, eine Lücke zu schließen. Ohne damit zu meinen, dass Lyrik aus den USA in unserem Sprachraum stiefmütterlich behandelt würde, muss man feststellen, dass wir nur spärliche Einblicke in ihre Regungen und Aufregungen bekommen können. In der Nische Poesie gelten (zwangsläufig) zunächst die Rechte der Eingeborenen.

Natürlich, wir stoßen vereinzelt auf führende Vertreter ihrer Gattung. Wie Leuchttürme in einer Mangelerscheinung wirken die Gedichtbände etwa von Charles Simic, James Tate, Rosmarie Waldrop und Robert Hass. Doch in ganzer Breite wird das fruchtbare und befruchtende Terrain amerikanischer Lyrik kaum betreten. Gerade von den jungen, staubfreien, noch nicht durch-institutionalisierten Autoren haben wir kaum Kenntnis.*

Was ist also mit den aktuellen Sterngründern, Sprachsängern, den Architekten neuer Ästhetik? Dies zu beantworten, öffnen die LICHTUNGEN ihre Seiten für einige der auffälligsten jüngeren Dichter. Zwölf Stimmen, die uns auf verschiedene Weise Impulse herüberfunken aus einer äußerst regen und vielfältigen Szene.

So finden wir Gedichte im Kleid postmoderner Launenhaftigkeit neben Texten, in denen die Beatlyrik nachwippt; pointierte kleine Sets genau so wie Mittelstreckenballaden und großflächige Gesänge. Gewächse mit seltsamen Trieben: dunkel ironische oder unverstellt bissige Texte, unumwunden überdrehte Stories neben eigenwilligen Bulletins aus der Epoche des eigenen Ichs.

Obwohl es nicht unproblematisch ist, bei laufendem Betrieb eine kohärente Poetik der letzten nullkommazwei bis anderthalb Generationen zu formulieren,
kann man der vielstimmigen Poesie der nachrückenden Dichterinnen und Dichter dennoch einige Merkmale zuordnen.

Einige Leitplanken hat Mark Doty – selbst Lyriker – auf Basis einer gründlichen Observation der Newcomer errichtet.** »Diese Dichter«, führt er an, »lieben rasante Umschwünge, Stimmwechsel und pfeilschnelle Bewegungen. Sie wollen nicht festgelegt werden können. Ihr Faible für Tempo mündet in Unruhe oder Unbändigkeit oder in beidem zugleich. Sie ziehen die Abfederung durch Komik, die allgegenwärtige Ironie, den nervösen Humor und die prickelnde Varieté-Nummer vermeintlicher Ernsthaftigkeit vor.« Zudem, stellt Doty fest, sind sie »unbeschwert eklektisch. Ihre Diktion entstammt einer Vielzahl von Quellen, und ihr Formenrepertoire ist von hier und dort entlehnt.«

Es ist an der Zeit, den Fokus wieder einmal schärfer zu stellen – teilzuhaben an den ästhetischen Transgressionen und munteren Vexierspielen zwischen vehementer Deutlichkeit und tiefgründiger Metaphorik. Und dem ein wenig näher zu kommen, was diese Gedichte untereinander verbindet, was mit ihrer Kultur und was mit uns.


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